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Wer Susanne Wegner kennt, denkt wahrscheinlich zuerst an ihre
beeindruckenden Landschaftsbilder, die Andreas Langen einmal
sehr treffend als „grandiose Kompositionen“ beschrieben
hat, die aber nie „verklärt“ wirken. Sehr ähnlich
könnte man auch Ihre Architektur-Fotografien charakterisieren,
von denen drei Arbeiten in der Ausstellung „Raumwelten“
zu sehen sind.
Für mich besonders beeindruckend ist zunächst das
große Bild hier an der Zwischenwand des Raums, das so
scheint, als öffne es den Blick in einen lichten, weit
in die Tiefe reichenden Bühnenraum. Nicht nur aufgrund
des Formats, sondern auch dank der einfachen, reduzierten Formen
und des gleichmäßigen, bläulichen Lichts wirkt
die gesamte Anlage monumental. Auch die Seitenwände, die
mit ihrer rechteckigen Struktur vielleicht nicht ohne Absicht
die Liederhalle zitieren, tragen zur feierlichen und ruhigen
Erscheinungsform des Gebäudes bei.
Ähnlich erhaben und geheimnisvoll erscheint auch eines
der beiden Triptychen, das in Form und Farbe mit dem großen
Einzelbild korrespondiert. Nischen in der Wand und im Boden
wecken hier Assoziationen an archäologische Ausgrabungen.
Man könnte denken, man befinde sich in einer ägyptischen
Grabkammer. Oder auch in einer mittelalterlichen Kirche, aus
deren Nischen im Laufe der Jahrhunderte die Skulpturen verschwunden
sind. Und die Anordnung der drei Bilder als Triptychon verstärkt
diesen sakralen Eindruck.
Dass es sich in beiden Fällen um Momentaufnahmen in einer
Baustellensituation handelt, ist dem Betrachter zwar irgendwie
bewusst, die Ästhetik der Bilder und das Gefühl von
Erhabenheit, das sie hervorrufen, läuft der begrifflichen
Erkenntnis jedoch zuwider. Räumliche Irritation vollzieht
sich bei Susanne Wegner also nicht auf einer visuell-spielerischen
Ebene, sondern im psychisch-emotionalen Sinne.
Auf fast gegensätzliche Weise macht dies das zweite Triptychon
in dieser Ausstellung deutlich. Auch hier handelt es sich um
eine Art Tunnelsituation. Doch die Stimmung ist eine völlig
andere. Über Dachluken dringt fahles Tageslicht in eine
von feuchtem Moos überzogene Betonstruktur, die in ihrer
Düsternis so trostlos wirkt wie ein ehemaliger Versorgungstunnel
in Tschernobyl oder ein Gang in einer verlassenen Raumstation.
Über diesen Ort, so suggeriert das Bild, scheint eine Katastrophe
hinweggegangen sein, deren Auslöser oder Verlauf dem Betrachter
aber unergründlich bleibt.
(Text: Winfried Stürzl M.A.)
Ausstellungsdauer: 11. Juni bis 9. Juli 2011
Öffnungszeiten: DiFr 1419 Uhr, Sa 1116 Uhr
Ort: Galerienhaus, Breitscheidstr. 48, 70176 Stuttgart
www.galerie-schacher.de
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